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Die Prophylaxe-Kanüle: Innovation zur professionellen Pulverstrahlabsaugung

Die Prophylaxe gewinnt in der Zahnmedizin zunehmend an Bedeutung. Für das Team bedeutet dies allerdings auch einen nicht unerheblichen Mehraufwand für Reinigung und Desinfektion. Denn der Spraynebel und vor allem die Partikel aus Pulverstrahlgeräten werden beim Absaugen nicht vollständig erfasst und führen möglicherweise gefährliche Krankheitserreger mit sich. Sie schlagen sich dann im gesamten Arbeitsumfeld nieder, zum Ärger so manchen Behandlers.

Stefanie Winter aus der Praxis Dr. Peter Kessler im schwäbischen Obersulm lies dies keine Ruhe – bis ihr die zündende Idee kam: Eine speziell geformte Kanüle, die besser absaugt, als das bislang möglich war. Dürr Dental hat die Idee aufgegriffen und in die Praxis umgesetzt. Ein Vorschlag aus der Praxis für die Praxis, so sieht es die Erfinderin.

Interview

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Frage: Frau Winter, wie kam das denn alles, wie sind Sie genau auf die Spezialkanüle gekommen?

Stefanie Winter: Ich bin seit 1995 als zahnmedizinische Angestellte im Team Dr. Kessler. In unserer Praxis setzen wir fast täglich Pulverstrahlgeräte zur Zahnreinigung ein. Es hat mich schon immer geärgert, dass sich das Pulver im Prophylaxe-Zimmer verteilt. Sowohl der Patient, der Behandler als auch das gesamte Arbeitsumfeld ist von der Pulverausbreitung betroffen. Nach jedem Patienten muss das gesamte Prophylaxe-Zimmer vollständig gereinigt und desinfiziert werden. Ein zeitaufwändiger Prozess, den ich verkürzen wollte – mit einer veränderten Kanüle, die überschüssiges Pulver und Spraynebel effektiver absaugt.

Frage: Sie hatten also eine zumindest grobe Vorstellung davon, wie die Kanüle aussehen könnte. Wie haben Sie Ihre Idee dann umgesetzt?

Stefanie Winter: Die Kanülenöffnung musste erweitert werden. Also habe ich zunächst Abdruckmasse genommen und einen entsprechenden Aufbau geformt. Das war natürlich nicht mit einem Mal getan! Um die Formgebung zu optimieren habe ich viele Versuche unternommen. Als ich dann eine akzeptable Form gefunden hatte, hat mir ein Zahntechniker ein 1:1-Modell angefertigt, das auch am Patienten getestet werden konnte.

Frage: Wie ist der Test verlaufen?

Stefanie Winter: Hervorragend! Mir ist dabei vor allem eines klar geworden: Das ist eine absolute Marktlücke! Ich habe hin und her überlegt, wie ich diese neue Kanüle auch anderen Prophylaxe-Assistentinnen zur Verfügung stellen könnte. Eine Kollegin hat mich dann darauf hingewiesen, dass die Firma Dürr Dental ganz in der Nähe sei, und schließlich bekannt ist für pfiffige Neuerungen. Also habe ich dort angefragt und wurde eingeladen, um meine Idee vorzustellen und live am Probanden vorzuführen.

Frage: War das mit viel Überzeugungsarbeit verbunden?

Stefanie Winter: Kaum! Ich hatte mir natürlich schon den Kopf zerbrochen, wie ich meine Idee am besten präsentieren kann. Ich habe entsprechende Tücher vorbereitet, mit denen das Gesicht des Probanden während der Pulverstrahlanwendung abgedeckt wurde. Lediglich die Mundöffnung wurde zur Behandlung freigelassen. Dann haben wir einerseits konventionell und zum Vergleich mit der neuen Kanüle gearbeitet. Das Ergebnis war frappierend: Bei der herkömmlichen Kanüle war das Tuch vom Pulver fast weiß, bei der neuen Prophylaxe-Kanüle hingegen waren praktisch keine Pulverniederschläge zu sehen! Die Kosten für die häufig eingesetzten Gesichts-Abdecktücher können dadurch eingespart werden.

Frage: Ist das Ergebnis jetzt so, wie Sie sich das gedacht hatten, oder wurde da noch viel geändert?

Stefanie Winter: Nach den ersten Tests haben die Ingenieure von Dürr Dental gemeinsam mit mir die Form der Kanülenöffnung entsprechend überarbeitet. In Verbinung mit der 360° Drehbarkeit des Schutzschildes lässt sich die Prophylaxekanüle sehr ergonomisch bedienen. Damit eignet sie sich auch hervorragend zur Behandlung ohne Assistenz. Sogar bei Behandlungen mit Kofferdam-Abdeckung kann man damit komfortabel absaugen. Die trichterförmige Öffnung der Kanüle ist auf einer Seite etwas verlängert. Dieses Schild bietet einen effektiven Schutz gegen diffuse Pulverpartikel. Größere Pulveransammlungen werden somit vermieden. Dies ist besonders hilfreich bei Patienten mit ausgeprägtem Würgereflex. Darüber hinaus sind die Schleimhäute, sowie Zunge und Lippen vor Irritationen geschützt. Die Prophylaxe-Kanüle kann doppelt so viel Aerosol aufnehmen wie herkömmliche Kanülen. Selbst Spezialanwendungen werden sicherer, wie beispielsweise das Durchtrennen von Kronen und Brücken sowie das Entfernen von Amalgamfüllungen. Die größeren Teilchen, beziehungsweise das Metallpulver, werden sehr zuverlässig entfernt.

Frage: Wie lange hat der ganze Prozess gedauert, von der Idee bis zur vorstellungsfähigen Kanüle?

Stefanie Winter: Zwei Jahre. In all dieser Zeit habe ich in der Praxis gebastelt und getüftelt; glücklicherweise hat mein Chef mir die Gelegenheit und die Zeit dazu gegeben. Dafür und für seine Geduld bin ich ihm sehr dankbar.

Frage: Sind Sie denn jetzt mit dem Endergebnis, der Prophylaxekanüle von Dürr Dental, insgesamt zufrieden?

Stefanie Winter: Absolut! Wir haben eine einzigartige und höchst effiziente Kanüle für die zahnärztliche Anwendung entwickelt. Eine vergleichbare Kanüle ist auf dem Markt nicht erhältlich. Die Ausbreitung von Pulver im Behandlungsraum ist spürbar verringert und die Behandlung wird deutlich sicherer.
Für mich waren die Entwicklung und die Zusammenarbeit mit Dürr Dental eine ausgesprochen erfreuliche Erfahrung, die nicht besser hätte sein können. Während der gesamten Produktentwicklung war ich in jeden Arbeitsschritt integriert. Es macht mich sehr stolz, dass meine Idee bis zum marktfähigen Produkt umgesetzt wurde. Jedenfalls weiß ich jetzt, wohin ich gehe, wenn ich wieder eine ähnlich gute Idee haben sollte!


Prophylaxekanüle mit Ideengeberin Frau Winter