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08.07.2016

Digital-Modelle im Schichtbetrieb

Über die fortschreitende Digitalisierung zahnmedizinischer Prozesse. Durch fortwährende Entwicklungen im Bereich bildgebender Verfahren gewinnen digitale Datensätze im Dentalbereich zunehmend an Bedeutung. Moderne intraorale Scanner ermöglichen es dem Zahnarzt, den ganzen Kiefer direkt im Patientenmund zu digitalisieren und auf diese Weise dreidimensionale Datensätze zu erzeugen. Dadurch rückt die Notwendigkeit der Herstellung platz- bzw. lagerintensiver Gipsmodelle in den Hintergrund. Gleichzeitig ermöglicht das sogenannte Rapid Manufacturing-Verfahren die Massenanfertigung patientenindividueller Produkte. D’life hat mit Torsten Schulte-Tigges, Vertriebsleiter der Dreve Dentamid GmbH, über den Trend der fortschreitenden Digitalisierung zahntechnischer Prozesse und die wachsende Nachfrage nach digitalen Dentalmodellen gesprochen.

D’life: Herr Schulte-Tigges, die fortschreitende Digitalisierung von zahnmedizinischen Prozessen ist ein Mega-Trend. Welche Rolle spielt die Digitalisierung heute in Ihrem Unternehmen und wie hat sich dieser Bereich entwickelt?

Unsere Kernkompetenzen liegen ursprünglich in den Bereichen Gerätebau, Kunststoffe und besonders in den Silikon-Abformmaterialien zum Dublieren von Dentalmodellen. Um den wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig abzusichern, war die frühzeitige Investition in den aufkommenden digitalen Workflow unabdingbar. Deshalb produzieren wir heute auch generative Digital-Modelle in enormen Stückzahlen im Schichtbetrieb.

Wie wird der reibungslose Verlauf dieses Rapid Manufacturing gewährleistet und wie sieht der Produktionsprozess dieser Digital-Modelle aus?

Da ausschließlich digitale Arbeitsabläufe noch limitiert sind, ist das Dentalmodell nach wie vor eine wichtige Arbeitsgrundlage für viele Restaurationen. Um der wachsenden Nachfrage nach digital erstellten Modellen gerecht zu werden, haben wir 2015 ein Bestellsystem entwickelt, durch das dentale Modelle in großen Stückmengen und mit hoher Präzision geordert werden können. Das Procedere sieht so aus, dass die Scandaten zunächst vom Dentallabor oder von der Zahnarztpraxis mittels einer entsprechenden Model-Builder-Software aufbereitet werden. Das so virtuell erstellte Dentalmodell wird dann an ein Web-Portal übertragen. Für die generative Fertigung werden Scan-LED-Technologie (SLT)-Anlagen verwendet. Deren Belichtungskopf bewegt sich in xy-Richtung über die Bauplattform und projiziert ein Bild aus einer extrem leistungsstarken LED-Lichtquelle auf die mit Kunststoff benetzte Bauplattform. So können im Schichtbauverfahren hochpräzise und komplexe Bauteile generiert werden.

Vor Ihrem Einstieg bei Dreve Dentamid war das Unternehmen allgemein als Laborgerätehersteller bekannt. Mittlerweile findet man die einheitlich rot gebrandeten Produkte sowohl im Labor als auch in der zahnärztlichen Praxis. Wie hat sich dieser Prozess gestaltet?

Am Anfang steht immer der Mut, etwas zu verändern, Entscheidungen zu fällen und sich persönlich einzubringen. Bei markenbildenden Prozessen sind auch Kreativität und ein Gespür für die mediale Umsetzung nützlich. Um eine Schärfung des Markenprofils zu erreichen, benötigt man zudem Ausdauer, damit nachhaltiger Erfolg einsetzen kann. Die unschätzbare Erfahrung langjähriger Mitarbeiter ist dabei immer der Grundstein. Pflicht ist außerdem die Entwicklung eines homogenen, internationalen Vertriebsteams, im Innen- wie im Außendient. Welches Corporate Design man festlegt, ist zwar wichtig, aber noch entscheidender ist, wie es vom gesamten Team als Philosophie umgesetzt wird. Gut gemacht, funktionieren Marken dann wie Leuchttürme, ragen heraus und bieten Orientierung im undurchsichtigen Markt. 

Viele Ihrer Produktverpackungen sind mit so genannten HIBC-Codes (Health Industry Bar Code) bedruckt. Was können wir uns darunter vorstellen und welche Vorteile für die Zahnarztpraxis bietet der HIBC-Code gegenüber einem herkömmlichen Strichcode?

Der HIBC-Code ersetzt herkömmliche Strichcodes und beinhaltet das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Charge. Das erleichtert die lückenlose Dokumentation in der Zahnarztpraxis erheblich. Außerdem wird der Code nicht nur auf die Verpackung, sondern auch direkt auf die Kartusche gedruckt. Damit sind fehlerfreie Prozesse und eine eindeutige Rückverfolgbarkeit für die Kunden gewährleistet. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Rechtssicherheit bei der Dokumentation innerhalb der Praxis, auch der Zeitgewinn in der Praxislogistik ist enorm. Keine zusätzliche Etikettierung, keine manuelle Eingabe, einfach nur einscannen.

Wo sehen Sie Haupttrends und die größten Herausforderungen für die Digitalisierung in der Zahnmedizin?

Innerhalb jedes erfolgreichen Businessmodells ist es von herausragender Bedeutung, auf welche Art und wie effizient der Auftrag generiert wird. Hier spielen für uns die frei nutzbaren Kunden-Scanner, oral sowie stationär, eine große Rolle. Technisch sind die meisten Herausforderungen bereits gelöst. Deshalb setzen immer mehr dentale Entscheider auf den digitalen Workflow. Oralscanner werden immer qualitativer, kleiner und erschwinglicher. Viele spannende, dentale Anwendungen stehen kurz vor ihrer Zulassung.

Herzlichen Dank für das Interview.

Veröffentlicht von: ml/rf
Digital-Modelle im Schichtbetrieb

Das Dentalmodell ist nach wie vor eine wichtige Arbeitsgrundlage für viele Restaurationen.