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17.11.2015

„Eine Zahnfarbe muss man verstehen“

Zahntechnikerin Inge Magne über dentale Ästhetik. Inge Magne hat sich nach 30 Jahren in Lehre, Forschung und Arbeit überall auf der Welt jetzt auf Mallorca niedergelassen. In enger Zusammenarbeit mit der Praxisgemeinschaft Dentacare führt sie ein Dentallabor, dass sich in kürzester Zeit zum „Ästhetischen Highend-Zentrum“ der Insel entwickelt hat. D’life führte zu ihrer internationalen Arbeit ein Interview mit Inge Magne.

D’life: Wenn man Ihre Räume betritt, fühlt man sich eher wie in einer reduzierten Kunstgalerie als in einem Dentallabor. Das Licht, die Farb- und Formensprache der Einrichtung sind bereits Statement. Was war Ihre Intention dafür und was sind die Botschaften an Ihre Patienten?

In meinem Leben und meiner Vision geht es um Klarheit. Alles ist dem minimalistischen Stil gewidmet. Wenige Farben, sachte Formen. Das bedeutet jedoch keineswegs Armut von Reizen – es wird alles vereinfacht, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Beruflich gesehen gehört dazu in erster Linie ein sauberer, schöner, lichtdurchfluteter Arbeitsplatz. Versehen mit einigen wenigen Kunstobjekten, die für Inspiration sorgen, jedoch genügend Raum lassen für die Menschen, die diesen Raum betreten. Es soll sich vom ersten Moment an gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung und Respekt etablieren. Nur wenn ich verstehe, welche Bedürfnisse der Patient wirklich hat, kann ich ihm gerecht werden. Und hier schließt sich der Kreis wieder. Um dem Patienten genau zuhören zu können, seine Psyche, Worte, Emotionen und seine Körpersprache zu deuten, braucht man einen ruhigen und gelassenen Ort.

Frau Magne, wie schaffen Sie es, sich weltweit an den verschiedensten Orten wie Los Angeles oder Mallorca in kurzer Zeit einen Namen zu machen? Wie kann man das Vertrauen internationaler Stars wie z. B. Bruce Willis gewinnen?

Vision, Ziele & Ausdauer. Ich hatte meine Ziele immer sehr hoch angesiedelt. Selbst wenn man dann hier und da einen Abstrich machen muss, ist das Ziel selbst immer noch sehr hoch. Dazu kommt eine Vision. Das innere Bild einer Vorstellung, auf die Zukunft bezogen, auf das Leben, den Weg, die Ziele. Gepaart mit einer tüchtigen Portion Mut, ab und an ins kalte Wasser zu springen und die Herausforderung anzunehmen, immer wieder neu zu beginnen. In einem anderen Land, in einer anderen Kultur, mit einer anderen Sprache. Einfach war es nie, aber ich würde denselben Weg nochmals beschreiten. In meiner Laufbahn bin ich von sehr vielen Prominenten angesprochen worden. Die meisten sind so wie du und ich. Sie sind in erster Linie dankbar, wenn ihnen jemand zuhört und ihre Bedürfnisse und Wünsche in Bezug auf Ästhetik erfüllt.

Sie haben durch Ihre weltweite Arbeit und Ihre Referententätigkeit einen guten Blick auf lokale Besonderheiten. Was sind die größten Unterschiede in Bezug auf dentale ästhetische Restaurationen zwischen Amerika und Europa? Was war die größte Umstellung nach Ihrer Arbeit in den USA?

Der größte Unterschied zwischen den USA und Europa ist wohl die Schnelllebigkeit in Amerika. Dass dabei sehr viel Lebensqualität verloren geht, wird gar nicht mehr in Betracht gezogen. Und so gab es auch oftmals Unverständnis, dass ästhetische Zahnheilkunde, wenn sie richtig gemacht wird, öfter mal ein wenig länger dauert. Die Zeit sollte unser Freund sein und nicht unser Feind. Zurückzukehren zu den Wurzeln, in meinem Falle nach Europa, und sich wieder zurechtzufinden in gewohnten Strukturen geht verhältnismäßig rasch, und auch wenn Spanien nicht mein Geburtsland ist, so hat es doch viele Vorzüge Europas.

Wie gut müssen Sie Ihren Patienten kennen, um ihm eine „persönlichkeitsgerechte“ Restauration zu kreieren?

Es gibt verschiedene Arten von Restaurationen. Ein einzelner Frontzahn ist eine komplett andere Herausforderung als eine ganze Front oder eine Rekonstruktion des Gesamtgebisses. Meiner Meinung nach ist es unumgänglich, den Patienten persönlich kennenzulernen. In einem ersten Gespräch höre ich mir die ästhetischen Wünsche und Bedürfnisse des Patienten an, gebe ihm dann meine Beschreibung von Ästhetik, lege alle Parameter auf den Tisch, damit der Patient selbst seine Entscheidung treffen kann. Neben der Farbgestaltung ist die Form der wichtigste Parameter, um eine Restauration, vor allem die Frontzähne betreffend, so zu gestalten, dass sie der Persönlichkeit eines Menschen entspricht.

Wie bestimmen Sie eine Zahnfarbe und wie kann man dentalkeramisch am besten sicherstellen, dass diese Zahnfarbe exakt reproduziert werden kann?

Eine Zahnfarbe kann man nicht aussuchen, man muss sie verstehen. Dazu setze ich den Patienten immer an die gleiche Stelle in meinem Labor, habe immer die gleiche Lichtqualität und -quantität. Die Erfahrung und die Forschung haben mich gelehrt, dass ich nur wenige Augenblicke Zeit habe, den Grundton festzulegen, danach sind die Augen schon unfähig, den Ton genau zu erkennen. Die restlichen Details und Nuancen filtere ich mir aus den Fotografien, die ich standardmäßig und nach einem strengen Protokoll bei jedem Patienten identisch mache. Den Rest bringt dann die Erfahrung mit sich und wie geschickt man im Umsetzen der Informationen in diverse Keramikmaterialien ist. Das wirkliche Resultat sieht man jedoch erst bei der Einprobe an und mit dem Patienten.

Woher beziehen Sie Ihre tägliche Leidenschaft, Ihre Motivation sich in dieser besonderen Intensität für Ihre Patienten einzusetzen?

Mein Beruf ist meine Passion. Wenn ich am Morgen die Augen öffne und weiß, dass ein schönes Wax-Up oder eine Keramikschichtung von Veneers auf mich wartet, dann kann ich es kaum erwarten, damit zu beginnen – es ist fast, als ob man kleine Skulpturen herstellt oder kleine Aquarelle malt. Ich höre dazu Musik und meistens stelle ich das Telefon auf lautlos, damit ich mich ungestört meiner Arbeit hingeben kann. Die Belohnung für die Arbeit ist ein außergewöhnliches und schönes Lächeln, das alles in sich birgt. Ich kann in den Augen meiner Patienten erkennen, dass sie sich darüber bewusst sind, wie viel Erfahrung, Wissen und Herzblut ich in ihre Zähne stecke.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht von: rf/tk 04/16
Farbgestaltung und Form sind die wichtigsten Parameter, um eine „persönlichkeitsgerechte“ Restauration zu kreieren

Farbgestaltung und Form sind die wichtigsten Parameter, um eine „persönlichkeitsgerechte“ Restauration zu kreieren