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30.05.2015

Young Dentists Worldwide - Das Netzwerk für junge Zahnärzte

Gegründet wurde Young Dentists Worldwide (YDW) 1991 in Portugal von 15 frischgebackenen Zahnärzten. Heute hat YDW knapp 35.000 Fans auf Facebook (Stand: April 2015), Tendenz steigend. Ingmar Dobberstein ist Zahnarzt in Berlin und hat das Amt des Präsidenten von YDW gerade an die nächste Generation übergeben. Was steckt hinter seinem intensiven Engagement für junge Zahnmediziner und was macht den Weltverband, der sich als Mittler zwischen der International Association of Dental Students (IADS) und der World Dental Federation (FDI) versteht, so besonders?

D’life: Sie sind unter anderem Gründungsmitglied des Bundesverbandes der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland (BdZA) und sind auch sonst in zahlreichen Dentalverbänden aktiv. Was ist Ihre persönliche Motivation, sich so stark für die jungen Zahnmediziner in Deutschland und der Welt zu engagieren?

Die Welt ist beeinflussbar, erst recht unser unmittelbares Umfeld. Besonders in einem Freien Beruf wie in der Zahnmedizin sind wir darauf angewiesen, uns selbst zu verwalten und unseren Beruf zu gestalten. Das kann man natürlich anderen überlassen, aber das ist für mich immer eine Frage der gelieferten Ergebnisse. Ich habe mich vor langer Zeit entschieden, meine Einflussmöglichkeiten wahrzunehmen. Das hat mit der Fachschaftsarbeit während des Studiums begonnen, setzte sich im Freien Verband Deutscher Zahnärzte und meiner Vorstandstätigkeit in der Berliner Zahnärztekammer fort und entwickelte sich mit der Gründung des » BdZA und meiner Mitarbeit bei » YDW zur gegenwärtigen Situation. Der Fokus auf die jungen Zahnmediziner ist vor allem dadurch gekommen, dass ich die Standespolitik auf nationaler und internationaler Ebene von „innen“ kennengelernt habe. Auch wenn ich dort viele beeindruckende, inspirierende und mit viel Leidenschaft arbeitende Menschen kennen gelernt habe, waren eben auch viele Postenhocker und uninspirierte Menschen dabei. Vor allem aber sind die jungen Zahnmediziner deutlich unterrepräsentiert. Die Entscheidungen und Weichenstellungen auf der standespolitischen Ebene aber reichen viel weiter in die Zukunft, viel weiter als so mancher Vertreter überhaupt noch zahnmedizinisch tätig sein wird. Es kann nicht in unserem Sinne sein, auf diese Politik keinen Einfluss auszuüben.

Sie waren von 2013 bis März 2015 Präsident von Young Dentists Worldwide und sind für den Weltverband auch viel auf Reisen gewesen. Was war das vorrangige Ziel bei Ihrer Arbeit im Ausland?

Das vorrangige Ziel der Arbeit für YDW ist die enge Vernetzung der jungen Zahnmediziner der verschiedenen Länder. Man mag es nicht glauben, aber die Zahnmedizin unterscheidet sich weltweit viel stärker, als man es von einer Naturwissenschaft erwarten würde. Dabei geht es nicht nur um Aspekte der Behandlung, der zur Verfügung stehenden Techniken, dem Zugang der Patienten zu zahnärztlicher Versorgung an sich oder Fragen der Hygiene, sondern auch um die unmittelbare Arbeitssituation der jungen Zahnmediziner selbst. Ich denke hierbei auch nicht nur an Länder, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation eines Entwicklungslandes eine ungenügende medizinische Grundversorgung haben, sondern auch an Nachbarländer wie Spanien und Portugal, in denen Arbeitslosigkeit oder Unterbezahlung unter jungen Zahnmedizinern keine Seltenheit sind. Hier versuchen wir zu helfen, Beispiele anderer Länder aufzuzeigen, auszutauschen und zu unterstützen. Wir halten Vorträge, machen Workshops, bieten durch unsere Kontakte jungen Wissenschaftlern andere Möglichkeiten der Präsentation als es in ihren Landeshierarchien möglich wäre. Wir unterstützen Hilfsprojekte und jungzahnmedizinische Initiativen, aber vor allem zeigen wir Wege auf, wie sich die jungen Kollegen in anderen Ländern Gehör verschaffen und für ihre Situation selbst eintreten können Denn eines hat mich auf diesen Reisen besonders beeindruckt: Dadurch, dass die Kollegen in anderen Ländern lange nicht so „satt“ sind wie in Deutschland, bewegen sich viel mehr Dinge durch Eigeninitiative, als man es hierzulande gewöhnt ist.

Welche sind die aktuellen Haupt-Arbeitsziele des Verbandes und wo sehen Sie die größten Chancen in Hinblick auf die Arbeit von YDW?

Meine größten Ziele während sowohl der Präsidentschaft waren die Gründung nationaler Verbände für junge Zahnärzte, mit denen die Situation im Land aus eigener Kraft verbessert werden kann, als auch die weitere Vernetzung der Weltorganisation FDI mit dem Nachwuchs. Wir haben es in Deutschland erfolgreich vorgemacht, als wir 2009 den BdZA gegen viel Widerstand gegründet haben. Seitdem ist hierzulande definitiv eine andere Aufmerksamkeit für junge Zahnmediziner entstanden, unsere Anliegen werden nicht nur belächelt, sondern mittlerweile sehr ernst genommen. Sicherlich ist der demografische Wandel hier hilfreich gewesen, aber trotz alledem haben wir auch in Deutschland noch nicht alle erreicht. Mittlerweile wurde Young Dentists Portugal gegründet und die polnische und italienische Organisation ist auf dem Weg. In Ägypten und Tunesien sind wir in der Anfangsphase, in Russland ebenso auf dem Weg. Die größte Chance ist, dass wir einige Dinge anders machen, als die Generationen vor uns, wobei für mich am wichtigsten ist, dass wir unter dem Namen Young Dentists als eine Gruppe zusammenarbeiten und uns nicht wie in Deutschland viel zu häufig, mit den persönlichen Problemen von Einzelpersonen an der Spitze von Körperschaften und Verbänden aufreiben, anstatt sinnvolle Politik zu machen. Das Ziel könnte sein, dass sich Zahnmedizin in Ausbildung und Ausübung international immer mehr annähert und wir allen Menschen eine gute zahnmedizinische Versorgung zur Verfügung stellen können. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht von: rf/tk 04/16
Ingmar Dobberstein, Zahnarzt und Immediate Past President (IPP) von YDW

Ingmar Dobberstein, Zahnarzt und Immediate Past President (IPP) von YDW

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