Unser Bestes für Sie - weltweit!
08.07.2016

Zahnmedizin in Rio de Janeiro – Praxisalltag in der Stadt der Schönheit

Interview mit Zahnarzt Dr. Carlos Eduardo Sabrosa. Nirgendwo auf der Welt werden Schönheit und Ästhetik so zelebriert wie in Rio de Janeiro. In dieser Stadt, in der sich das soziale Leben hauptsächlich im Freien abspielt, ist ein perfekter Körper ein Muss. Das ganze Jahr stellen hier beispielsweise am vier Kilometer langen Sandstrand der Copacabana oder während des jährlich stattfindenden Karnevals die Einwohner der Millionen-Metropole ihre Körper zur Schau. Zudem gilt Rio mittlerweile auch als Welthauptstadt der kosmetischen Zahnheilkunde. Zahnarzt Dr. Carlos Eduardo Sabrosa hat zusammen mit seiner Schwester eine Praxis in Rio de Janeiro gegründet. D’life hat ihn dort besucht und mit ihm über seinen Praxisalltag in der zweitgrößten Stadt Brasiliens gesprochen.

D’life: Rio de Janeiros Einwohner, die Cariocas, sind bekannt als Menschen mit besonders ausgeprägtem Schönheitsbewusstsein. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Das Bewusstsein für Ästhetik war schon immer Teil unseres Lebens. Dank neuer Technologien und Materialien spielt mittlerweile auch das Bewusstsein für die dentale Ästhetik eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft. Durch die minimal-invasive Zahnmedizin sind wir heute in der Lage, die Ästhetik zu verbessern und gleichzeitig die Funktion und die Gesundheit aufrechtzuerhalten.

Welche dentalen Schönheitsideale gibt es in Brasilien und speziell hier in Rio de Janeiro?

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Ich glaube noch immer daran, dass wir zuerst die Verbesserung der oralen Gesundheit bereitstellen müssen. Mit den Schönheitstrends sollten wir vorsichtig sein und uns bewusst werden, dass weniger oft mehr ist. Hauptsächlich bin ich froh, dass uns heutzutage hervorragende Instrumente zur Verfügung stehen, die uns bei der Diagnose und der Behandlung unserer Patienten helfen.

Sie haben Ihr Zahnmedizinstudium teilweise in Brasilien und teilweise in den USA absolviert. Was waren die Gründe dafür, dass Sie Ihre Praxis in Rio de Janeiro und nicht in Boston gegründet haben? Gibt es aus Ihrer Sicht gravierende Unterschiede zwischen der amerikanischen und der brasilianischen Behandlungsweise?

In dem Jahr, nachdem ich mein Studium an der State University of Rio de Janeiro abgeschlossen hatte, bin ich nach Boston gezogen, um mich in einem der besten Studiengänge in Biomaterialien und Prothetik einzuschreiben, die es zu der Zeit gab. Ich habe dort meinen Masterabschluss sowie meinen Doktortitel absolviert und unterrichtete zwei Jahre lang an der » Boston University School of Dental Medicine. Mein Plan war es immer, zurück nach Brasilien zu kommen und zusammen mit meiner Schwester meine eigene Praxis zu gründen. Zusätzlich begann ich auch an der gleichen Universität zu unterrichten, an der ich mein Studium abgeschlossen hatte. Heute bin ich Privatdozent im Fachbereich für Restaurative Wissenschaften, unterrichte im Bachelorstudiengang und führe zudem auch Labortests und klinische Forschungsarbeiten durch. In unserer Praxis bin ich hauptsächlich für orale Rehabilitationen und Implantologie verantwortlich. Wir sind in der Lage, eine allumfassende multidisziplinäre Behandlung anzubieten, da wir in unserer Klinik alle Schwerpunkte abdecken können. Dank der heutigen Globalisierung können wir glücklicherweise die gleiche Behandlungsart zur Verfügung stellen, die vielerorts, beispielsweise auch in den USA oder Europa, angeboten wird. Aufgrund von Steuer-, Import- und Regulierungsaspekten ist es natürlich manchmal schwierig für uns, die neuesten Maschinen und Technologien zu erwerben, diese sind aber meist schon nach kurzer Zeit auch für uns zugänglich.

Sie haben sich in Ihrer Praxis besonders auf orale Rehabilitation und Implantologie spezialisiert. Außerdem unterrichten Sie diese Schwerpunkte auch als Privatdozent an der State University of Rio de Janeiro School of Dentistry und sind vom American College of Prosthodontists mit zwei Awards ausgezeichnet worden. Wie hat sich Ihre Leidenschaft zur Prothetik entwickelt und was fasziniert Sie daran?

So richtig „Klick gemacht“ hat es erstmals während meines Bachelorstudiums. Als ich realisiert habe, dass ich beschädigte Zähne rekonstruieren und fehlende ersetzen kann, habe ich entschieden, mich auf diesen schönen Schwerpunkt zu fokussieren. Die Prothetik ist ein einzigartiger Bereich der Zahnmedizin, der die ganzheitliche Gesundheit der Patienten durch die Bereitstellung von Funktion und Ästhetik verbessern kann. Es ist einfach faszinierend, wie man das Leben von Menschen verändern kann, wenn man sie rehabilitiert. Außerdem finde ich es faszinierend, wie man die Technologie während der Diagnose-, Behandlungs- und Erhaltungsphasen einsetzen kann. Zum Beispiel ist es spektakulär, was wir in der Prothetik und Implantologie mit der CAD/CAM-Technologie alles machen können. Wenn man leidenschaftlich und immer mit Herzblut bei der Sache ist, dann ist alles möglich.

Wie viele Patienten behandeln Sie im Schnitt pro Tag in Ihrer Privatpraxis und wie können wir uns Ihr typisches Patientenklientel vorstellen? Kommen auch internationale Patienten zu Ihnen in die Praxis?

An normalen Arbeitstagen behandle ich von 8 Uhr morgens 19 Uhr abends Patienten. Natürlich muss ich früher in der Praxis sein und auch etwas länger bleiben, um den Praxisalltag zu organisieren. Normalerweise behandle ich vier bis sieben Patienten pro Tag, da wir versuchen, die Anzahl der Patientenbesuche bis zum Abschluss einer Behandlung auf ein Minimum zu reduzieren. Aber das variiert natürlich auch stark und es gibt Zeiten, in denen ich vielleicht nur zwei Patienten pro Tag behandle, zum Beispiel wenn ich Operationen durchführe. Da wir, wie gesagt, alle Schwerpunkte in unserer Praxis abdecken können, behandle ich normalerweise nur Patienten, die Prothesen oder Implantate brauchen. Altersmäßig gesehen haben wir einen breit gefächerten Patientenstamm und haben auch das Glück, zahlreiche Patienten aus verschiedenen Ländern von überall aus der Welt behandeln zu dürfen. Vielen werden wir von Freunden aus dem Ausland empfohlen, deren Patienten aus geschäftlichen Gründen in Brasilien leben.

Gibt es dentale Krankheitsbilder, die in Brasilien besonders häufig auftreten bzw. häufiger als in den USA? Welche Rolle spielt Prophylaxe in Brasilien?

Wir haben immer noch sehr viele Karies- und Parodontitisbehandlungen. Zum Glück ist der Kenntnisstand in Bezug auf die Wichtigkeit der oralen Gesundheit signifikant gewachsen. Deshalb kommen Patienten inzwischen häufiger zur Vorsorge als zur Behandlung. Ich denke, dass hier zuvor der größte Unterschied zwischen der Behandlung in den USA und der in Brasilien lag. Heute kümmern sich die Patienten in Brasilien sehr stark um die Erhaltung ihrer Mundgesundheit und kommen normalerweise zwei Mal pro Jahr zur Prophylaxe in die Praxis.

Wie ist das Gesundheitssystem in Brasilien ausgelegt? Gibt es Besonderheiten bei der Abrechnung von zahnärztlichen Behandlungen?

Unglücklicherweise bietet das öffentliche Gesundheitssystem in Brasilien nicht viele Behandlungsmöglichkeiten. Einer meiner Träume ist es, Menschen dabei zu helfen, Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Behandlung zu niedrigen Kosten zu erhalten. Das ist eines unserer klinischen Projekte, die wir an der Universität betreiben. Ich hoffe, dass wir eines Tages eine realisierbare Option vorstellen können, mit der man Kronen zu niedrigen Kosten produzieren kann und auch verschiedene Materialien, um Kronen herstellen zu können, die von Implantaten getragen werden. Der » VistaScan Mini hat uns dabei geholfen, die Überlebensrate dieser Restaurationen über einen langen Zeitraum hinweg zu dokumentieren.

Sie haben seit einem Jahr zwei VistaScan Mini Systeme von Dürr Dental im Einsatz. Haben Sie zuvor Sensortechnik verwendet und wenn ja, welche Vorteile sehen Sie im Vergleich dazu bei der Röntgendiagnostik mit Speicherfolien? Weshalb haben Sie sich für dieses System entschieden?

Es hat lange gedauert, bis ich zu einem digitalen System gewechselt habe. Ich habe zuerst mit einem digitalen Sensor begonnen, der mit einem PC verkabelt war. Leider hat mir das nicht die vielseitige Einsetzbarkeit geboten, nach der ich gesucht habe. Daraufhin hat meine Schwester vorgeschlagen, dass wir uns mal einige der unterschiedlichen Speicherfoliensysteme genauer ansehen sollten und das Dürr Dental System hat sich hier hervorgehoben. Wir haben uns dazu entschlossen, zwei Einheiten zu kaufen. Das erste benutzen wir in unserer privaten Praxis und das zweite kommt in der Universität in meinen klinischen Projekten zum Einsatz. Es gibt verschiedene Faktoren, die uns bei unserer Entscheidung beeinflusst haben: die einfache Anwendung, die Kommunikation mit Patienten sowie die Archivierung und Präzision sind die wichtigsten Aspekte für uns.

In unserer Praxis wurde dadurch die interne Kommunikation sofort verbessert, da wir unsere Beobachtungen kommentieren und uns gegenseitig zuschicken konnten. Die Instandhaltung des Equipments ist extrem einfach und hat den Prozess für unsere Assistentinnen beschleunigt.

Da wir in der Universität sehr viele Patienten behandeln, konnte hier durch den VistaScan Mini die Archivierung stark verbessert werden. Ich glaube die größten Auswirkungen können aber in der Präzision der Messungen und den Vergleichen bei den Nachuntersuchungen gesehen werden. Da wir unsere Abläufe standardisiert haben, können wir bei unseren Projekten einfach Patienten zu verschiedenen definierten Zeitpunkten vergleichen. Alles in allem sind wir sehr froh und sind davon überzeugt, dass wir keine bessere Entscheidung hätten treffen können.

Desinfektion ist ein zentrales Thema in jeder Praxis. Gibt es hier bei Ihnen in der Praxis Besonderheiten hinsichtlich des Bezugs und des Umgangs mit Desinfektionsmitteln?

Das Dürr Dental System hat unser Desinfektionsprotokoll beim Röntgenverfahren auf jeden Fall sehr vereinfacht. Die Lichtschutzhüllen sind sehr anwenderfreundlich und die Desinfektion des Equipments ist äußerst einfach. Durch diese Neuerungen in unserer Praxis konnten wir den Ablauf stark beschleunigen.

Die Digitalisierung ist ein globaler Trend in der Dentalbranche. Welche weiteren Prozesse sind in Ihrer Praxis bereits digitalisiert? Welche digitalen Technologien haben Sie sonst noch im Einsatz?

Wir benutzen schon seit langer Zeit CAD/CAM-Systeme in unserer Praxis, um unsere Restaurationen herzustellen. Heute benutzen wir einen Intraoralscanner für die Herstellung unserer Kronen oder von festsitzendem Zahnersatz. Zusätzlich werden alle unsere Fälle mit einer Digitalkamera dokumentiert, um nicht nur die Ausgangssituation und das finale Ergebnis zu archivieren, sondern vielmehr die gesamten Verfahrensweisen festzuhalten, die vorgenommen wurden, um den Erfolg zu erreichen.

In diesem Jahr finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Wie wirken sich die Vorbereitungen zu diesem großen Event auf das tägliche Leben in der Stadt aus?

Wir sind es hier gewöhnt, jedes Jahr Karneval zu feiern, und zu diesem spektakulären Event besuchen uns Menschen aus der ganzen Welt. Leider oder zum Glück sind die Olympischen und Paralympischen Spiele anders. Wir werden Athleten und Zuschauer aus der ganzen Welt in mehreren Stadtteilen für eine lange Zeit bei uns zu Besuch haben. Verschiedene Teile der Stadt werden für unterschiedliche Sportmodalitäten genutzt und die ganze Stadt befindet sich derzeit im Bau. Ich hoffe, dass wir einfach eine tolle Show haben werden und dass die Spiele unserer Stadt ein positives Erbe hinterlassen.

Und noch einmal zu Ihnen. Nehmen Sie sich neben Ihrer Arbeit auch regelmäßig und bewusst Zeit für Ihre Hobbys? Wie entspannen Sie sich nach einem konzentrierten Arbeitstag am besten?

Rio de Janeiro ist auch als „The Marvellous City“ – „die wunderschöne Stadt“ bekannt. Und das ist sie in der Tat. Unsere Landschaft ist einzigartig, und glücklicherweise bin ich damit gesegnet, in einem wunderschönen Teil unserer Stadt zu wohnen. Ich lebe in Leblon, einen Block vom Strand und einen Block von meiner Praxis entfernt. Das ist pure Lebensqualität. Ich habe dadurch die Möglichkeit, jeden Morgen meine Lieblingssportarten zu genießen. Ich gehe morgens entweder an den Strand, um zu surfen, oder ich fahre mit dem Mountainbike die Berge hoch, bevor ich mit dem Behandeln beginne. Ich gehe auch schwimmen, um mich körperlich fit zu halten und um ein bisschen zu entspannen. Am Wochenende gehe ich oft zum Windsurfen in Leblon oder Barra da Tijuca, 20 Minuten westlich von Leblon, abhängig von den Windverhältnissen. Das ist einfach spektakulär.

Vielen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht von: ml/rf
Zahnmedizin in Rio de Janeiro - Praxisalltag in der Stadt der Schönheit

to top